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Auf dem langen Weg zum guten Radsport-Image
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Premiere: Radsportler beim "Renntag des RSV Aachen" am Templergraben. "In den 60ern gab es in Aachen jede Woche ein Radrennen." |  |
VON MISCHA WYBORIS
Aachen. Etwas außer Atem stellt Nils Schumacher sein Fahrrad am Kármán-Komplex ab. Zu spät zur Vorlesung? Wohl kaum, denn obgleich junge Menschen auf Drahteseln am Templergraben wirklich nichts Besonderes sind, ist das Bild diesmal ungewohnt: Rund 400 Speichensportler belagern an jenem Sonntagmorgen einen ganzen Tag lang das Areal am RWTH-Hauptgebäude. Mit dem neu eingeführten "Renntag des RSV Aachen" hat die einstige Radrennstadt jetzt zumindest wieder zwei Höhepunkte im Jahresplaner der Fahrrad-Fans.
Nils Schumacher ringt noch immer nach Luft. "Man muss sich selber quälen", beschreibt der 16- Jährige, was ihn am Radsport begeistert – aber auch, dass es die knapp einen Kilometer lange Runde vom Templergraben über Eilfschornsteinstraße, Annuntiatenbach und Königstraße zurück zum RWTH-Hauptgebäude durchaus in sich hat. 40 Mal hat sich der MönchengladbacherMönchengladbacher durch die vier scharfen Kurven, über das holprige Kopfsteinpflaster und den steilen Berg gekämpft, ehe er mit 55 Stundenkilometern ins Ziel und auf den zweiten Platz beim Wettbewerb der Unter-17-Jährigen gerauscht ist.
Am Streckenrand hat sich bei sengender Sonne eine Handvoll Interessierter eingefunden. "Völlig normal für diese frühe Uhrzeit", findet Hauptorganisator Till Neschen vom Radsportverein (RSV) Aachen, der – durchaus etwas gerädert – weit vor dem ersten Startschuss um 9 Uhr mit seinen 42 Helfern den Kurs abgesteckt hat. "Es ist generell schwierig, Leute an die Strecke zu bekommen", weiß aber auch der 1. Vorsitzende des Vereins, Axel Emons, dass der Radsport schon bessere Zeiten gesehen hat. "Beeinflusst durch das negative Bild im Profi-Bereich ist außerdem die Zahl der Amateurrennen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, Sponsoren sind ausgestiegen."
Nicht zuletzt aus diesem Grund habe sich der Verein entschieden, die rund 7000 Euro teure eigene Veranstaltung ins Rennen um die Gunst der Jugend und die älterer Breitensportler zu schicken. Als die U17 und die U19 bereits ihre Runden gedreht haben und der Startschuss zum Hobbyrennen und zur Hochschulmeisterschaft fällt, säumen doch immer mehr Menschen den Streckenrand, jubeln den flotten Fahrern zu. Unter ihnen auch Franz Kirch vom RC Zugvogel, der in Erinnerungen schwelgt: "In den 60ern gab es in Aachen jede Woche ein Radrennen – um den Lousberg, am Hangeweiher, an der Maria-Theresia-Allee. Das sieht heute anders aus, und es ist enorm wichtig, dass es noch ein paar Leute gibt, die den Radsport mit Enthusiasmus am Leben erhalten." Keine Spur von Konkurrenz zwischen dem Ausrichter des Rennens "Rund um Dom und Rathaus" (8. August) und dem RSV.
Nils Schumacher hat unterdessen seine Puste wiedergefunden. Von seiner Begeisterung für den Radsport zeugt eine sieben Zentimeter lange Narbe am linken Unterarm. "Das gehört dazu", sagt er mit gelassener Selbstverständlichkeit und denkt schon wieder ans Training und die nächsten Rennen. 11 000 Kilometer liegt er auf diese Weise jedes Jahr zurück. 36 davon hat er in Aachen gelassen.
ZWEI FRAGEN AN MARTIN KERTZMANN, 2. Vorsitzender des RSV
Weshalb hat Ihr Verein den "Renntag des RSV Aachen" ins Leben gerufen?
Kertzmann: Wir möchten der Jugend einen Platz bieten, wo sie fahren kann. Durch die Dopingskandale bei den Profis ist unser Sport auch im Jugendbereich gehandicapt – dem wollen wir entgegenwirken. Mehr als 400 Anmeldungen haben gezeigt, dass der Bedarf auch in Aachen da ist.
Sie hätten vielleicht noch mit mehr Fahrern und Publikum rechnen können, wenn Sie das Rennen nicht auf den Tag von Alemannias Abschiedsspiel am Tivoli gelegt hätten, oder?
Kertzmann: Ich glaube nicht, dass der "Synergieeffekt" zwischen Rad- und Fußball-Fans so groß gewesen wäre. Wir mussten den Termin aber auch schon im vergangenen Oktober beim Bund Deutscher Radfahrer anmelden und dabei vor allem darauf achten, dass wir uns als Veranstalter in der Region nicht gegenseitig mit Renntermin in die Quere kommen. |
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(26. Mai 2009, Aachener Zeitung vom 26. Mai 2009) |
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